Interview mit Susanne van de Sand

Susanne van de Sand

Interview mit Susanne van de Sand

In der Interview-Reihe Women in Tech darf ich euch heute Susanne van de Sand vorstellen. Susanne hat selbst zwar keinen Tech Hintergrund arbeitet jedoch schon seit 10 Jahren im Personalbereich (insbesondere Recruiting) in mittelständischen IT Unternehmen.

Ihre Erfahrungen in der Zusammenarbeit und dem Coaching mit Teamleiterinnen, Projektleiterinnen, Softwareentwicklerinnen und Vertrieblerinnen teilt sie heute mit uns.

 

Susannes beruflicher Werdegang

Michaela Greiler: Susanne, was machst du beruflich?

Susanne van de Sand: Hauptberuflich bin ich HR Managerin und Teamleiterin in einem IT-Unternehmen in Aachen und kümmere mich um alles rund um Personalthemen. Ich suche also passende neue Mitarbeiter*innen, stelle sie ein, begleite sie in ihrer individuellen Entwicklung im Unternehmen und berate die Führungskräfte. Nebenberuflich bin als Karrierecoach für Frauen und Trainerin tätig.

 

Michaela Greiler: Wie bist du dazu gekommen das zu machen?

Susanne van de Sand: Ich habe Betriebspädagogik, Psychologie und Soziologie studiert und mein Studium bewusst offen gehalten, weil ich nicht so wirklich wusste, was ich beruflich machen wollte. Während des Studiums hatte ich dann das große Glück bei einem bekannten Süßwarenhersteller in der Personalabteilung ein Praktikum machen zu dürfen. Das Thema hat mich sofort gepackt. Ich fand es super spannend auf die Suche zu gehen nach geeigneten Kandidaten, die ins Unternehmen passen und jeden Tag aufs Neue mit Menschen zu schauen, wo sie sich hin entwickeln wollen. Eine Verbindung aufzubauen und die Potentiale in Menschen zu erkennen, das ist das, was mich an diesem Job gereizt hat und bis heute noch der Punkt ist, der mir am meisten Spaß macht.

 

Michaela Greiler: Wer oder was hat dich am meisten in den letzten Jahren inspiriert? 

Susanne van de Sand: Am meisten inspiriert hat mich meine erste Chefin, das war in einem IT-Unternehmen. Sie hatte ein wahnsinniges Standing, konnte mit vielen unterschiedlichen Menschen auf Augenhöhe sprechen und hat eine Leidenschaft versprüht, die richtig ansteckend war. Ihre Art hat mich damals immer bestärkt meinen Weg zu gehen und mich immer wieder dazu ermutigt, neue Dinge auszuprobieren, neue Ausbildungen zu machen und immer wieder aus meiner Komfortzone rauszukommen. Sie war wirklich eine großartige Mentorin für mich. Mittlerweile inspirieren mich viele Menschen und Dinge. Das können tolle Bücher sein, wie z.B. „Big Five for Life“ von Jon Strelecky, oder Menschen, denen ich auf Veranstaltungen begegne. Vor allem aber nach wie vor die Menschen, die für ihre Überzeugungen und Herzensthemen losgehen und andere mitnehmen.

 

Susannes Tipps für Bewerbungsgespräche

Michaela Greiler: Eines deiner Herzthemen ist es Frauen zu helfen sich im Bewerbungsgespräch besser zu präsentieren. Welche Tipps hast du für Bewerbungsgespräche für technische Positionen?

Susanne van de Sand: Ich bin jetzt seit mehr als 10 Jahren in meinem Beruf unterwegs und habe tausende Bewerbungen gesehen, habe unzählige Gespräche auf Karrieremessen erlebt und hunderte von Bewerbungsgesprächen geführt. Dabei ist mir immer eine Sache aufgefallen: Frauen verkaufen sich unter Wert! Und da waren großartige Frauen dabei, die richtig was auf dem Kasten haben. Meine Erfahrung ist, dass Frauen zwar ihre Kenntnisse aufführen und sagen, was sie gemacht haben. Aber wenn es darum geht zu sagen: „Das habe ich geschafft, das war mein Erfolg, da bin ich gut drin“, da hapert es. Viele sind sich einfach nicht im Klaren darüber, was sie alles können und denken:“Naja, so besonders ist das ja nicht“. Doch, ist es! Daher sind meine Tipps:    

  1.  Schon in den Bewerbungsunterlagen ganz klar die Erfolge aufführen. Was hast Du in Deinem jetzigen Job verbessert? Wodurch wurde vielen Kolleg*innen/Kund*innen geholfen? Dadurch wissen die Gesprächspartner schon, was Du geleistet hast. Viele Frauen wollen nicht „angeben“ und halten mit den wirklichen Erfolgen lieber hinter dem Berg. Falsche, bzw. in dem Fall hinderliche Bescheidenheit ist im Bewerbungsgespräch fehl am Platz. Natürlich sollte alles der Wahrheit entsprechen.
  2. Selbstbewusst ins Gespräch gehen! Auch wenn es leichter klingt, als es ist, auch dafür gibt es Tipps: Schreib`Dir dafür vorher auf, was Du alles schon gemacht hast, am besten auf einem DIN A 4 Blatt. Welche Ausbildungen, welche Fortbildungen, Workshops hast Du gemacht. Welche Sprachen sprichst Du? Wofür begeisterst Du Dich? Wo hast Du Dich eingebracht. Wenn man das mal gesammelt auf einen Blick sieht, steigert das das Selbstbewusstsein immer direkt.
  3. Ruhig bleiben im Gespräch: Das Unternehmen möchte Dich kennenlernen und Du das Unternehmen. Das ist ein Gespräch auf Augenhöhe. Du bist keine Bittstellerin. Auch Du musst nachher entscheiden, ob Du überhaupt für das Unternehmen arbeiten möchtest. Daher vorher ruhig durchatmen und sich bewusst machen, dass beide Seiten am Ende entscheiden.
  4. Im Gespräch auf die Körpersprache achten: Viele sinken irgendwann in sich zusammen, wenn sie das Gefühl haben, dass sie sich gerade beweisen müssen. Eine gerade Körperhaltung auf dem Stuhl und ruhige Bewegungen strahlen direkt Souveränität aus. Verstellen solltest Du Dich aber nicht.
  5. Sei Du selbst! Ich habe schon oft erlebt, dass Bewerberinnen auswendig gelernte Antworten gegeben haben, weil sie dachten, sie müssten sozial erwünscht antworten. Man kann sich im Bewerbungsgespräch verstellen oder anpassen, aber das möchte man sicherlich nicht tagtäglich im Job machen. Auch wenn das Wort in letzter Zeit häufig überstrapaziert wird ist tatsächlich Authentizität das Wichtigste. Du willst ja herausfinden, ob das Unternehmen zu Dir passt und Du zum Unternehmen.
  6. Zeig´was Du kannst: Du hast die Gelegenheit zu zeigen, dass Du die ideale Besetzung für die Stelle bist. Also nimm´ am besten die Stellenausschreibung mit ins Gespräch und beziehe Dich mit Deinen Erfahrungen auf die konkreten Punkte in der Jobanzeige z.B. „Ich habe gesehen, dass Sie jemanden suchen, der XYZ kann. In meiner jetzigen Position habe ich bereits ein Projekt erfolgreich zum Thema XYZ abgewickelt und zwar…..“ . Dazu kann man gut das Verhaltensdreieck nutzen: Stelle heraus, wie die Ausgangssituation war, erläutere dann wie Du Dich konkret verhalten hast, welche Maßnahmen Du ergriffen hast, welche Personen Du eingebunden hast und stelle dann das erfolgreiche Ergebnis vor. So hat jeder der Gesprächsteilnehmer*innen direkt einen Einblick in Deine Arbeitsweise.
  7. Verkaufe Dich nicht unter Wert:   Wenn es darum geht, dass Du nach einer Gehaltsvorstellung gefragt wirst, nenne eine konkrete Zahl. Nur eine! z.B.:“Aufgrund meiner bisherigen Erfahrung empfinde ich ein Gehalt von X€ als angemessen.“ Schau dafür am besten vorher in vergleiche Gehaltstabellen und informier Dich über die üblichen Gehälter. Gib keine Gehaltsspanne an. Das verleitet unnötig dazu, das untere Gehalt zu zahlen. Sollte das Unternehmen verhandeln wollen, erbitte Dir Bedenkzeit und überlege, ob Du mit den angeboten Dingen wirklich zufrieden bist. Frauen lassen sich häufig zu schnell ins Bockshorn jagen, wenn es um das Gehalt geht. Solltest Du damit Probleme haben, ein angemessenes Gehalt zu verlangen, dann könnte es helfen Dir vorher einmal aufzuschreiben, was Du für Glaubenssätze bezüglich Geld hast und ob diese Dir gerade behilflich sind. Vielleicht bringt Dich das auch schon weiter.                       

 

Susannes Gedanken zu Frauen in technischen Berufen

Michaela Greiler: Frauen in technischen Berufen sind ja leider noch eine Minderheit. Was sind deine Gedanken mit diesem Thema?

Susanne van de Sand: Wir müssten schon viel früher ansetzen und Mädchen schon im Kindergarten dafür begeistern, sich mit Technik auseinanderzusetzen. Leider wird das in vielen Fällen noch immer als „Jungskram“ abgetan und Mädchen dadurch demotiviert. Jungs bekommen ganz selbstverständlich ferngesteuerte Autos, Computer oder Roboter zu Weihnachten. Für Mädchen hingegen ist das immer noch eher die Ausnahme. Da könnten wir als Eltern schon positiv einwirken und das ändern. Außerdem habe die große Hoffnung, dass die Frauen, die jetzt in technischen Berufen unterwegs sind, immer mehr zum Vorbild werden für Mädchen. Zum Glück sehe ich immer mehr junge Frauen, die technische Berufe als Ausbildung oder Studium wählen. Ich glaube aber auch, dass wir dennoch viel mehr weibliche Vorbilder brauchen, die zeigen, wie vielfältig und kreativ technische Berufe sind und was man alles bewegen kann. Aktionen wie „Girls Day“ oder ähnliche Formate sorgen für mehr Akzeptanz und Sichtbarkeit. Alleine dadurch, dass Frauen darüber erzählen, welche Berufe sie ergriffen haben, wird die Männerdomäne aufgebrochen.

 

Michaela Greiler: Was verbindet dich mit Frauen in der Technik?

Susanne van de Sand: Dadurch, dass ich seit mehr als 10 Jahren sowohl Frauen für Positionen in der IT rekrutiere und sie im Job und teilweise auch später in Führungspositionen begleite, verbindet mich mit ihnen sehr viel. Ich werde wahnsinnig, wenn ich sehe, wie sehr sie sich klein machen und häufig an sich zweifeln. Denn so war ich früher auch. Deshalb wünsche ich mir so sehr, dass sich Frauen in technischen Berufen endlich wieder für sich selbst und ihre Fähigkeiten begeistern.

 

Michaela Greiler: Welche Botschaft hast du für Frauen und Mädchen, die sich für einen technischen Beruf interessieren?  

Susanne van de Sand: Sucht Euch Mentorinnen! Sucht Euch jemanden in Eurem Umfeld, die einen Beruf hat, der Euch interessiert und dann fragt einfach ihr einfach Löcher in den Bauch. Oder sucht Euch online Mentorinnen in Foren, Netzwerkgruppen, oder ähnliches. Mädchen, die noch zur Schule gehen, oder gerade begonnen haben zu studieren, kann ich nur empfehlen: macht Praktika, Praktika, Praktika. Nur dadurch, dass man wirklich mal einen Arbeitsalltag in einem Beruf erlebt kann man entscheiden, ob das eventuell wirklich etwas für Dich wäre. Glaub an Dich und Deine Stärken und dann lass Dir helfen. Du musst nicht alles alleine schaffen. Es gibt überall großartige Frauen, die sofort bereit wären, Dich zu unterstützen.

 

Susannes Alltag

Michaela Greiler: Was ist für dich das Schönste an deinem Arbeitsalltag?

Susanne van de Sand: Die Vielseitigkeit an meinem Arbeitsalltag macht mir am meisten Spaß. Der Wechsel zwischen der Entwicklung und Begleitung von strategischen Führungsthemen und kreativen Ideen lässt es nicht langweilig werden. Und sehen, wie Menschen sich in ihren Positionen entwickeln und über sich hinaus wachsen und sie dabei zu unterstützen, ist einfach großartig.

 

Michaela Greiler: Wo findet man dich in der Freizeit am ehesten?

Susanne van de Sand: Da ich Mutter einer 6-jährigen Tochter bin, findet man mich häufig auf Spielplätzen, am liebsten auf den Klettergerüsten ganz oben 😀 Netzwerke mag ich auch wirklich gerne und liebe es neue Leute kennenzulernen. Außerdem tobe ich mich kreativ beim malen aus und habe seit letztem Sommer einen Podcast, in dem ich viele meiner Gedanken teile.

Liebe Susanne, danke, dass du dir für dieses Interview Zeit genommen hast.

 

Die Interviewpartner

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Das Interview führte Michaela Greiler. Michaela hat über 15 Jahre Erfahrung als Software Entwicklerin und Data Scientist. Sie hilft außerdem GründerInnen von Internet- und Tech-basierten Unternehmen eine effizienten und produktiven Software Entwicklung umzusetzen.

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